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Bemessene Nähe

Zum Abschied sagte sie: Wenn ich Sie das nächste Mal wiedersehe, dann werde ich Ihnen möglicherweise das Du anbieten. Er antwortete: Nein, darauf warten wir nicht. Lass uns sofort beginnen. Wer weiß, ob wir uns wiedersehen?

 

Früher, vor den 1968er-Jahren, wurde niemand umarmt. Außer vielleicht kleine Kinder. Man gab sich die Hand. In den 1980ern wurden alle umarmt. Sogar die Eltern. Jetzt ist wieder Distanz angesagt. Die alte Mutter kommt gut damit zurecht.

 

Der alte Freund ist von ausgeprägter Höflichkeit. Niemals tritt er einem zu nahe. Nähe ist im Verlauf von über dreißig Jahren entstanden. Wenn sie sich begrüßen und verabschieden, verbeugen sie sich kurz.

 

Sie umarmt gerne Menschen, die so groß sind, dass sie ihnen in die Augen schauen kann, und die einen etwas weicheren Körper haben als es der Body-Mass-Index derzeit rät. Ist das ein Zeichen von Nähe?

 

Oft fühlte sich ihr Körper seltsam steif an, ihre Stimme etwas zu enthusiastisch. Manchmal entstand ein unbestimmtes Gefühl – als wäre etwas ungesagt geblieben oder passe nicht. Dann häuften sich die Irritationen. Das war das Ende.

 

Am Ende verschwendete er sein Du. Er hatte immer gedacht, „Sie Idiot!“ spräche sich leichter als „Du Idiot!“. Aber dann sagte er doch niemals zu jemandem „Idiot“, obwohl er von Idioten umgeben war.

 

Ein Meter fünfzig ist das Maß aller Dinge. Ein Maß, das richtig ist und vernünftig. Noch eine Weile werden wir einander schreiben: Diese Tage sind gar nicht so schlecht.
Aber es kommen bessere Tage!